Ursula Locher & Regula Nyffenegger
Laudation von Martin Engler
Ich freue mich ausserordentlich, dass es doch noch klappt mit der Übergabe vom Prix Heiden an die beiden Gründungspräsidentinnen der Häädler Frauen.
Es ist eigentlich erstaunlich, dass ausgerechnet ein Mann, und erst noch ein weisser und alter, diese kurze Rede halten darf. Naja, ich betrachte das jedenfalls als grosse Ehre.
Der grösste Verein in Heiden besteht seit 165 Jahren nur aus Frauen, und das seit 1856. Allerdings gab es zwischen dem damaligen Frauenarmenverein und heutigen Häädler Frauen schon die eine oder andere Veränderung. Natürlich nicht nur im Namen, sei es nach verschiedenen Fusionen, sei es in der Zielsetzung oder in anderer Hinsicht. Das war damals war auch eine andere Welt, aber vieles ist doch geblieben: Gemeinschaft, Solidarität, Mut, Zusammengehörigkeit, Durchhaltevermögen, Veränderungsbereitschaft, Empathie, Hilfe, Bildung, Respekt,
Bis 2017 gab es in Heiden zwei Frauenvereine, eigentlich auch erstaunlich. Der eine, der Frauenverein, eben seit 1856, der andere, die Frauengemeinschaft, seit 1931 und beide hatten ungefähr die gleiche Zielsetzung, vielleicht mit gewissen konfessionellen Unterschieden.
Die Frauengemeinschaft hat bei ihrer Gründung auch noch nicht so geheissen. Es war der Frauen- und Mütterverein, vielleicht eher fokussiert auf Familie und Kinder. Stichwort "Spatzenhöck".
Der Frauenverein war das auch, beispielsweise als Trägerverein für die Ludothek oder als Dorfschwalben, dort wohl eher im Dienst der ältesten Generation natürlich, auch ein umfangreiches Angebot an die Dorfgemeinschaft. Dorfschwalben übrigens, das ist glaub ich der einzige Bereich, wo es auch Männer gibt....
Also war Zusammenarbeit zwischen den Vereinen angesagt. Aktiv in Heiden ist so ein Beispiel aus der Zusammenarbeit, Mittagstisch ü60, Kinderartikelbörse. Zusammenarbeit zwischen Vereinen mit ähnlichen Zielen. Zwei Vereine, beide etwa gleich gross, beide mit ähnlichen Aktivitäten, aber doch mit unterschiedlichen Kulturen.
Muss das so bleiben? Braucht es zwei Organisation? Zwei Vorstände, zwei Kassen? Nein, fanden erst einzelne Stimmen in den beiden Vereinen. Zwei Frauen, zwei Vorstände, zwei Vereine machten sich an die Arbeit und es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet.
- Was ist dem einen, was dem anderen Verein wichtig?
- Wie bringen wir die unterschiedlichen Kulturen zusammen?
- Was wird stärker, wenn es einen stärkeren Hintergrund bekommt?
- Was soll unbedingt erhalten bleiben, auch wenn es nur für eine Minderheit im Verein wichtig ist?
- Was für einen Namen soll der neue Verein haben? Da gab’s einige Ideen....
- Neue Statuten braucht es auch und nicht ganz unwichtig: Ein neues Logo
Konsens war von Anfang an, dass der gegenseitige Respekt unter allen Umständen gelten soll. Und ganz wichtig, die Mitglieder sollen von Anfang an beteiligt sein. Und ja, es ist auch hilfreich, wenn man sich gegenseitig mag und auch persönlich versteht. Man holte sich das Einverständnis beider Vereine ein, mit den Fusionsarbeiten zu beginnen. Schliesslich war man den in der Lage, den Hauptversammlungen beider Vereine das Fusionsgerüst zu präsentieren, die Zustimmung dazu einzuholen und am 10. Mai 2017 die Gründungsversammlung für den Verein Häädler Frauen durchzuführen.
Es war, möchte ich fast sagen, ein eigentliches Lehrstück in Sachen Demokratie. Wie macht man so etwas?
- Man macht Auslegeordnung
- Man fragt: Was wollen wir?
- Wo wollen wir hin?
- Was wollen wir durch die Fusion verbessern?
- Was müssen wir unbedingt erhalten, wenn es auch nur eine Minderheit wichtig ist?
- Aber auch keine Mehrheit instrumentalisieren
- Was machen wir aus Solidarität?
- Wo sind eigene Interessen?
- Was sind die Stolpersteine?
- Wie bringt man Kulturen zusammen?
Und ja, dann muss man ganz einfach die Arbeit zu machen, die nötig ist, mit der gebührenden Konsequenz und dem immer nötigen Respekt.
Das, was die Frauen hier durchgezogen haben ist wirklich beispielhaft. Es kann durchaus ein Beispiel sein für andere anstehende Fusionen zum Beispiel im Appenzeller Vorderland.
Liebe Frauen im Publikum
Es gibt zwar schon über 300 Häädler Frauen im Verein, aber es dürften natürlich auch mehr sein. Die Häädler Frauen haben eine attraktive Homepage. Da kann man sich informieren und natürlich auch anmelden. Den Spatzenhöck, den gibt es übrigens noch, aber er ist nicht das einzige Angebot in einem sehr vielfältigen Angeboten im Jahresprogramm der Häädler Frauen
Liebe Ursi, liebe Regula
Stellvertretend für diese Arbeit in beiden Vereinen steht ihr hier als die damaligen Vereinspräsidentinnen, die beiden treibenden Kräfte der Fusion und die Gründungspräsidentinnen des neuen Vereins Häädler Frauen. Dafür ist der Prix Heiden hochverdient. Auch mit einer um ein Jahr verspäteten Übergabe. Man kann euren Einsatz und den aller Häädler Frauen natürlich nicht hoch genug schätzen. Wir sind euch und natürlich dem ganzen grossen Verein zu grossem Dank verpflichtet.